Alarmstufe Rot in Tierheimen

Foto: LV TSB

"Die Situation in den rheinland-pfälzischen Tierheimen spitzt sich dramatisch zu". Dies sagt Andreas Lindig, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Die Tierheime sind überfüllt, personelle und finanzielle Grenzen sind erreicht. Immer mehr Tiere werden abgegeben, vor allem sogenannte Corona-Hunde, aber auch Katzen, Exoten und Kleintiere.

"Diese Entwicklung haben wir bereits seit Jahren angekündigt, doch jetzt sind die Auswirkungen akut und es fehlt an Lösungen". Es gebe in den Einrichtungen, die allesamt von Vereinen betrieben werden, kaum noch Kapazitäten, um Notfälle aufzunehmen. "Dies ist eine Katastrophe mit Ansage, seit Jahren wurde diese Situation angekündigt, haben wir um Hilfe bei Kommunen und dem Land gebeten - nun gibt es keine Lösung mehr".

Mehrere Tierheime haben einen Brandbrief an Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) und die Tierschutzbeauftragte des Bundes geschrieben. Unterzeichnet haben den Brief unter anderem die Tierschutzvereine Frankenthal, Ludwigshafen, Koblenz, Ingelheim und Speyer sowie die Tiernotinsel Bad Dürkheim. Die Unterzeichner fordern unter anderem einen Sachkundenachweis für Hundehalter sowie ein europaweites Verbot des Internethandels mir lebenden Tieren. Unbedingt vonnöten sei außerdem eine bundesweite Katzenschutzverordnung mit dem Gebot des Kastrierens aller Freigängerkatzen.

Andreas Lindig fordert darüber hinaus ein Heimtiergesetz für Deutschland. "Wenn dies als Bundesgesetz nicht umgesetzt werden kann, muss ein "Führerschein", ein Sachkundenachweis für Haustiere kommen, denn dies kann jedes Bundesland selbst realisieren".

 

Hier der Text des Brandbriefes:

An das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Herrn Cem Özdemir und die Tierschutzbeauftragte der Bundesregierung, Frau Ariane Kari.

 

Wir haben gemahnt, appelliert, aufgefangen und jetzt brechen wir unter der Last der in Not geratenen Tiere zusammen.

Wir können die Verträge mit den Städten und Kommunen kaum noch erfüllen, die Ämter sind überlastet und wir stehen nun vor einer stetig steigenden Anzahl an Hunden, für welche es keine Tierheimplätze mehr gibt.

 

Die Ursachen hierfür sind unter anderem:

  • der unkontrollierte Handel mit Hunden (vor allem über das Internet) bzw. der illegale Welpenhandel,
  • der übermäßige unkontrollierte Import von Hunden aus dem Ausland und die damit einhergehende Problemverlagerung nach Deutschland
  • die fehlende Reglementierung für Zuchtverbände (Qualzucht, Sachkunde, Überprüfung etc.),
  • die mangelnde Sachkunde der Hundehalter,
  • der Fachkräftemangel in Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen,
  • die veralteten Finanzierungsmodelle für Tierheime / gänzlich fehlende finanzielle Mittel,
  • die unzureichende Ausbildung für Tierheimmitarbeiter,
  • das fehlende Prozedere zur einheitlichen Anerkennung des Hundetrainer-Berufs.

 

Die Hunde werden, ohne Rücksicht auf gesundheitlichen oder verhaltensnotwendigen Zuchtausschluss, aus Profit-, Mode- und Optikgründen für den übersättigten Markt produziert. 
Das Resultat des unüberwachten „Konsums“ der Hunde und fehlender/ falscher Erziehung sind Hunde, welche oft jahre- oder lebenslang im Tierheim verbleiben, immer häufiger krank und/oder verhaltensauffällig sind.

 

Die Vermittlung der Hunde stagniert aufgrund ausbleibender Nachfrage. Die Tierheimmitarbeiter arbeiten meist auf Mindestlohnbasis und/oder ehrenamtlich. Hierbei riskieren sie täglich ihre physische sowie psychische Gesundheit und werden häufig verletzt.

Die Bereitschaft der Hundehalter fachlich versierte Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist nicht ausreichend und die Beißvorfälle häufen sich. Hundeschulen, Pensionen und andere tierheimähnliche Einrichtungen stoßen an ihre (Kapazitäts-)Grenzen. Die Zahl der Hunde, welche jährlich im Tierheim abgegeben werden sollen, aber nicht aufgenommen werden können, bewegt sich bereits im vierstelligen Bereich - mit steigender Tendenz.

 

Dieser Zustand ist nicht mehr tragbar, und deshalb fordern wir:

  1. Nachhaltige Konzepte, sowie Maßnahmen für die Eindämmung und Überwachung des Hundehandels.
  2. Eine fachlich fundiertere Ausbildung für Tierpfleger und erweiterte Qualifizierungsmöglichkeiten.
  3. Einen Befähigungsnachweis für Neuhundehalter.
  4. Die konsequente Durchsetzung des Qualzuchtverbotes, sowie ein Verbot der wahllosen, nicht reglementierten Vermehrung von Hunden.
  5. Die Stärkung der Städte und Kommunen, um bestehende Gesetze und Verordnungen zum Schutz der Tiere entsprechend umzusetzen.
  6. Konsequentere Kontrollen und Reglementierungen für den Import von Hunden aus dem Ausland.
  7. Eine Registrier- und Kennzeichnungspflicht von Hunden.
  8. Ein einheitliches Prozedere zur Anerkennung des Hundetrainer-Berufs.
  9. Neue Finanzierungsmodelle für Tierheime und schnelle Hilfe in Notsituationen.

Wer möchte, kann eine Petition unterschreiben:

Petition unterschreiben

DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND
LANDESVERBAND RHEINLAND-PFALZ E.V.

AN DER BRUNNENSTUBE 15/1,

55120 MAINZ
Tel. 0157 33756070

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