Leiden ohne Grenzen auch in RLP beenden

23.07.2020

TSB/Jo-Anne McArthur

Nach wie vor leiden Tiere tagtäglich auf Transporten. Lastwagen sind überladen, Transporte finden bei extremen Temperaturen statt, Tiere werden nicht angemessen versorgt und grob misshandelt. 

ZDF "37 Grad" berichtete am 21. Juli über den Lebendviehexport in Drittländer. Die Bilder zeigen erneut, dass Tierwohlaspekte bei Schlachtviehexporten aus der EU trotz klarer EU-Regelungen offenbar kaum noch eine Rolle spielen, sobald die Tiere die EU-Außengrenzen erreichen. 

Seit Jahren wird dokumentiert, wie die Tiere auf den Transporten misshandelt werden und wie grausam auch die Methoden sind, mit denen sie schließlich geschlachtet werden. Dennoch unternehmen weder die deutsche Bundesregierung noch die Europäische Kommission Maßnahmen um diese unnötigen Tierquälereien zu unterbinden. Dass sogar ganze Schiffsladungen mit Tausenden von lebenden Tieren aus Südamerika und Australien in den Nahen Osten bzw. nach Südostasien verkauft werden und diese Tiere noch wesentlich größeren Qualen ausgesetzt sind, kann keine Rechtfertigung für den tagelangen Transport von Tieren aus der EU in Drittländer sein. 

NRW genehmigt keine Transporte mehr

Der Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbundes begrüßt vor diesem Hintergrund die Entscheidung des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Rindertransporte in Drittstaaten nicht mehr zu genehmigen. "Wir würden es begrüßen, würde das Land Rheinland-Pfalz diesem Vorbild folgen", so Landesvorsitzender Andreas Lindig.

Tierschutzkonforme Bedingungen sicherstellen

Nach der Ausstrahlung der ZDF-Sendung, die dieses Tierleid erneut dokumentiert hat, setzt sich der Landesverband dafür ein, dass in Rheinland-Pfalz sicherstellt, dass auch in seinem Zuständigkeitsbereich Transportunternehmen verpflichtet werden, auf der gesamten Route tierschutzkonforme Transportbedingungen sicherzustellen. Denn die Genehmigung von Tiertransporten ist stets eine Einzelfallentscheidung der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde. Das Umweltministerium hat für die Behörden vor Ort entsprechende Vollzugshinweise erarbeitet. Außerdem sollten alle von Exporteuren angegebenen Abladeorte in Drittstaaten konsequent überprüft und mit Fahrtenbüchern und Navigationsdaten abgeglichen werden.  

Zwar soll die EU-Transport-Verordnung und ihre Durchführungsverordnung in Deutschland  den Schutz der Tiere sicherstellen: Leider ist das nicht das Fall. Die Bestimmungen der Verordnung reichen nicht aus, um Tierleid zu verhindern. Die Ladedichten sind zu hoch, die Transportdauer zu lang, die Temperaturgrenzen zu weit gefasst. Laut Transport-Verordnung ist es beispielsweise zulässig, Rinder bei Temperaturen bis 35 Grad über eine Dauer von 29 Stunden zu transportieren, bis sie zum ersten Mal den LKW verlassen müssen. Hier steht ihnen jeweils nur eine Fläche von 1,6 Quadratmetern zur Verfügung. Die Situation für die Tiere verschlimmert sich, wenn die unzureichenden Bestimmungen auch noch missachtet werden. Das geschieht leider täglich. Es werden mehr Tiere auf die Lastwagen geladen, als erlaubt ist. Die Pausen-Zeiten zur Versorgung der Tiere werden nicht eingehalten, Tiere mit Verletzungen werden verladen, Fahrzeuge haben technische Mängel usw. „Wir fordern seit langem, dass die Verordnung endlich überarbeitet wird. Solange das nicht geschieht, muss sie zumindest strenger kontrolliert und es müssen schärfere Sanktionen verhangen werden, die abschrecken“, so Landesvorsitzender Andreas Lindig.  

INFO:

In Deutschland werden jährlich ca. 59 Millionen Schweine und 3,6 Millionen Rinder geschlachtet. Zusätzlich zu den Transporten zum Schlachthof werden zur Mast bestimmte Tiere vom Betrieb der Geburt zum Mastbetrieb gefahren. Innerhalb der EU und in Drittländer werden jährlich ca. 350 Millionen lebende Säugetiere und 1 Milliarde Geflügel gehandelt. Aus der EU werden ca. 800.000 Rinder und 2,6 Millionen Schafe und Ziegen in Drittstaaten außerhalb Europas transportiert. Aus Deutschland werden ca. 81.000 als Zuchtrinder deklarierte Rinder in Drittstaaten außerhalb Europas transportiert. Hinzu kommt der Handel innerhalb der EU. Je größer die EU wird, desto weiter werden die Distanzen, über die mit Tieren gehandelt wird. Beispielsweise werden Kälber ab einem Alter von 14 Tagen nach Spanien verkauft. Eine Fahrt, die von Deutschland aus zwei bis drei Tagen dauert. Stammen die Kälber aus osteuropäischen Ländern, ist die Fahrtzeit entsprechend länger. Und es gibt noch weitere Transportstrecken. Besonders quälend sind Langstreckentransporte in Länder außerhalb Europas. Auch wenn die Anzahl der Tiere, die diese Transporte erleiden müssen, vergleichsweise gering ist, ist ihr Leiden unfassbar groß.


Kontakt

Deutscher Tierschutzbund
Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

Gotenstraße 39 / 54293 Trier
Tel. 06 51 5 37 98 / Fax 06 51 5 61 02 61
info(at)tierschutz-rlp.de

Login für Mitgliedsvereine