Deutscher Tierschutzbund

Respekt für Tauben: Zucht kein immaterielles Kulturerbe

22.09.2018

Bild: TSB

 „Tauben sind sehr intelligente Tiere, sie stehen für Liebe und Frieden. Ihrem Partner sind sie meist ein Leben lang treu. Auch wenn man Tauben nicht liebt, verdienen sie doch zumindest Respekt“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. 

Der tagtägliche Umgang mit Stadttauben ist häufig alles andere als respektvoll. Als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet, werden die Tiere mit tierschutzwidrigen Methoden vertrieben oder gefangen bzw. getötet. Viele Menschen fürchten eine Übertragung von Krankheiten. Was viele dabei nicht wissen: Die anpassungsfähigen Stadttauben sind Nachkommen entflogener Haustauben und die gesundheitliche Gefährdung ist nicht größer als durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere.

Über die bestehenden Vorurteile will der Deutsche Tierschutzbund mit der Kampagne #RespektTaube aufklären. Weitere Informationen zur Kampagne und ein emotionales Taubenvideo finden Interessierte unter www.tierschutzbund.de/taubenschutz. 

 

Auf Vorschlag des Landes Nordrhein-Westfalen prüft die UNESCO derzeit die Aufnahme des Brieftaubenwesens in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Zulassung der Bewerbung und die geplante Aufnahme kritisch und hat sich daher mit einem Schreiben an die UNESCO gewandt. 

 „Unzählige Brieftauben werden für Wettkämpfe ausgebeutet und dabei verletzt oder gar getötet. Es darf nicht sein, dass solche tierschutzwidrigen Praktiken durch eine Anerkennung als immaterielles Kulturerbe auch noch gefördert werden“, sagt Denise Ade, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. 

Jedes Jahr kommt es bei Wettkämpfen zu Verlusten von hunderttausenden Tieren. So müssen Brieftauben bei Preisflügen weite Distanzen – teilweise bis über tausend Kilometer – zurücklegen, welche die Tiere an ihre Leistungsgrenzen bringen. Und das, obwohl das Tierschutzgesetz eigentlich verbietet, einem Tier Leistungen abzuverlangen, die es nicht erbringen kann. Auf den Strecken sind die Tauben durch Beutegreifer, Windräder, Strommasten oder auch zu hohe Temperaturen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Viele überleben nicht. Andere verirren sich auf ihrem Rückweg zum Schlag und landen im besten Fall in einem Tierheim. Dort werden die Tiere zwar liebevoll versorgt, bedeuten aber eine zusätzliche Belastung für den karitativen Tierschutz, da die Züchter ihre Tiere meist nicht zurücknehmen. Für diese haben die Tiere nicht die geforderte Leistung erbracht und damit für Wettbewerbe oder die Zucht keinen Wert mehr. In Züchterkreisen ist zudem bekannt, dass solche Brieftauben, sollten sie in den Besitz ihrer Halter zurück gelangen, häufig als "nutzlos" getötet werden. 

Verirrte Brieftauben lassen Stadttaubenpopulation ansteigen

Andere verirrte Brieftauben schließen sich den großen Taubenpopulationen in den Städten an. „Im Kampf für eine tierschutzgerechte Reduktion der Stadttaubenpopulation ist ein so verursachter Populationsanstieg natürlich kontraproduktiv“, sagt Ade.


Kontakt

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